Storm Westphal – Classy & Chic
Bei der halbsüdafrikanischen Schönheit dreht sich alles um Mode, Beauty, Interior und Lifestyle. Den Fokus legt sie dabei auf die Einfachheit der Dinge.
„Stil ist die Geliebte der Kunst“ sprach einst die große Coco Chanel und bringt damit auch die Essenz der Louis Vuitton Stiftung in Paris auf den Punkt. Der Modegigant hat mit seiner privaten Institution eine der wichtigsten Kunststiftungen in Europa geschaffen und beherbergt immer wieder Werke anderer Einrichtungen.
Vom 11.10 2017 bis zum 05.03.2018 sind in der Pariser LV-Stiftung 200 Werke aus dem New Yorker Museum für Moderne Kunst zu sehen. Mit der Exposition „Être moderne“ entführt die private Sammlung des französischen Modegiganten die Besucher in die fast 90-jährige Geschichte der US-amerikanischen Institution, die sich als eine der ersten auf Kunst dieser Epoche konzentrierte.
Für mein Auslandssemester lebe ich nun ein halbes Jahr in Paris und die Eröffnung der neuen Exposition war mein erster offizieller Pressetermin. Etwas aufgekratzt nähre ich mich an jenem Tag der Stiftung. Ich habe eine Einladung zur „Vernissage“ erhalten und darf die Ausstellung vor allen anderen sehen.
Doch noch bevor ich das Gebäude betrete, bleibe ich fasziniert stehen: Denn wer sich in den berühmten „Bois de Boulogne“, den großen Park im Westen von Paris aufmacht, wird allein durch die Fassade der Stiftung belohnt. Mit dem „Eisberg“ hat Stararchitekt Frank Gehry (der unter anderem auch das Guggenheim in Bilbao entworfen hat) ein Gebäude designt, das perfekt die Philosophie der LVS zum Ausdruck bringt – durch die Fusion von Tradition und Innovation Kultur zu vermitteln.
Genug gestaunt – ich will natürlich auch sehen, was sich hinter der Fassade verbirgt. Die Fusion von Mode und Kunst lässt sich bereits an den internationalen Bloggern, Fotografen und Journalisten erkennen. Mit Highheels, Pliseeröcken und Samtblousons könnten sich die Pressefachleute glatt selbst ablichten lassen. Aber heute steht ja die Kunst im Vordergrund. Und die ausgestellten Werken sind so beeindruckend, dass die selbst besagte „tragbare Kunst“ in den Schatten stellen.
Wie oft hat man schon Dalís zerfließende Uhren gesehen? Frida Kahlo, die sich die Haare abgeschnitten hat? Oder die revolutionären Objekte des Marcel Duchamps? Und hier sieht man keine bloßen Abbildungen. Man hat die Originale vor sich. Bahnbrechende Werke, die Kunst- und Menschheitsgeschichte markieren. Einfach so. Ohne Sicherheitsabsperrung, oft nicht größer als ein Blatt Papier, eins neben dem anderen, sodass es schon fast wie eine Verschwendung großer Namen wirkt. Die Fülle der großen Meister ist beinahe surreal.
Ich fliege durch die Ausstellung, fühle mich wie im Traum. Das MoMa wurde 1929 gegründet und gilt als eines der wichtigsten Museen der Moderne. Mit Edward Hoppers „The House by the Railroad“ wurde 1930 das erste große Werk erworben und begründete damit eine Erfolgsgeschichte. Viele Ausstellungsstücke wurden lange gelagert, ohne jemals ausgestellt worden zu sein, wie z.B. der Film „Lime Kiln Club Field Day“ aus dem Jahre 1914, der erste Film mit einer „all-black“ Besetzung. Er wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in der Bronx gedreht wurde. Dann wurde das Projekt jedoch abgebrochen, bis 1938 Iris Barry, Film Kuratorin im MoMa, einige Negative retten konnte. Im Jahre 2014 war die Restauration des Stummfilms dann vollendet.
Andere Sequenzen, die in Dauerloops an die Wand projiziert werden, sind Werke von Disney und Eisenstein und markieren so nebenbei Meilensteine der Filmgeschichte. Hier hängt ein Picasso, da ein Cezanne. Magritte gesellt sich neben Man Ray, Warhol lädt wie beim Supermarktbesuch zum Einkauf von Dosensuppen ein. Um die Ecke begrüßt einen der Filzanzug von Joseph Beuys. Jedes einzelne Kunstwerk hat trotz zahlreicher Abbildungen und Reproduktionen nichts von seiner Aura eingebüßt. Und die Fülle ist kaum zu verarbeiten. 100 „Mona Lisas“ auf einen Schlag? Das wirkt beinahe verschwenderisch.
Und Gott sei Dank besteht die Sammlung nicht nur aus männlichen Namen. In ihrem Film „Untitled“ setzt sich Cindy Sherman mit den Stereotypen der Hollywood Filme auseinander. Dabei schlüpft sie selbst in unterschiedliche Rollen, um Diva oder „working girl“ darzustellen. Yvonne Rainer´s revolutionäre Performance zeigt einen „Tanz ohne Spektakel“ und der Phallus-Sessel von Yayoi Kusama erweist sich als erneute Auseinandersetzung mit Angst vor Sexualität. Auch die Filmemacherin Lynn Hershman-Leeson ist mit einem Archiv über ihr Alter Ego „Roberta Breitmore“ vertreten.
Die Bandbreite von Gemälden, Skulpturen und Installationen liest sich wie das Who-is-Who der künstlerischen Moderne, vereint unter der Schirmherrschaft des MoMa und der Louis-Vitton-Stiftung. Ein Treffen der Giganten. Und jeder kann daran teilhaben. Bernard Arnault, Präsident der Stiftung, wollte mit der Ausstellung wieder einmal einer breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit geben, mit solchen Meisterwerken in Kontakt zu treten. Ich verlasse die Ausstellung euphorisch, berauscht und dankbar für diese Gelegenheit.
Die Louis Vuitton Stiftung hat jeden Tag von 11-21 Uhr geöffnet (Dienstag geschlossen) und bietet neben der Ausstellung auch ein reichhaltiges Programm an Aktivitäten für Kinder, Konzerten, Performances und anderen Events.
Fondation Louis Vuitton
8, Avenue de Mahatma Gandhi
Bois de Boulogne
75116 Paris
Beitragsbild © Iwan Baan, 2014
© 2025 Overview Magazine
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